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Das wichtigste an einer Kamera ist die Qualität der Aufnahmen - aber was nützt die beste Qualität, wenn man die Aufnahme nicht machen konnte, weil die Kamera zehn Sekunden bis zur Bereitschaft und weitere drei Sekunden bis zur Aufnahme gebraucht hat und der Affe längst vom Baum gefallen war? Lieber eine schlechte Aufnahme im Kasten als eine gute verpasst - oder? Ein berühmter Photograph sagte einmal: "Die beste Kamera ist die, die man dabei hat, wenn die Aliens landen!" Bei der Geschwindigkeit von der Idee bis zum gespeicherten Bild und in der Handlichkeit ist die DIGILUX 1 meines Erachtens derzeit noch unschlagbar! Vor der Qualität muss also sicherlich der Zweck betrachtet werden. Wer Posteraufnahmen macht, wird eine Kamera mit 6 bis 11 Megapixel kaufen - und nicht die Leica DIGILUX 1. Wer Sport- oder Tieraufnahmen macht, wird eine digitale Spiegelreflexkamera kaufen, die mit den bereits vorhandenen teuren und wechselbaren Teleobjektiven kompatibel ist - und nicht die Leica DIGILUX 1. Wer nur mal hier und da "knipsen" möchte wird sich eine möglichst kleine Kamera für 199,- Euro kaufen - also auch nicht die Leica DIGILUX 1. Wer aber eine Reportagekamera sucht, also eine kompakte Kamera mit gewissem Gewicht, möglichst schneller Bereitschaft, schneller Chip-Technik, einem Display, auf dem man wirklich was erkennen kann, Blenden- und Zeitvorwahl, dem Feeling einer Kleinbildkamera und wirklich guter Aufnahmequalität, der ist bei der Leica DIGILUX 1 meines Erachtens genau richtig. Warum steht wohl auf dem Prospekt "Leica DIGILUX 1 - Die digitale Reportagekamera" und warum wohl sind die Beispiele im Prospekt von einem Fotoreporter? Die allgemeine große Kritik an der Bildqualität dieser Kamera hat wohl diese beiden Ursachen: (Für vergrößerte Darstellungen dieser Bilder klicken Sie bitte auf das entsprechende Bild. Die beiden rechten Bilder sind Originalbilder aus der Kamera, die beiden linken Ausschnitte daraus. Zumindest die beiden linken Bilder sollten Sie sich einmal vergrößert anschauen, weil ich die Effekte dort kurz erläutere.) Dieses Bildrauschen trat vorrangig bei den ersten Digitalkameras auf und ist heute eigentlich nicht mehr nötig. Die Vermutung, dass dieser Effekt an der Komprimierung der Bilder liegt, ist naheliegend, aber leider zeigen auch unkomprimierte TIFF-Aufnahmen mit der Leica DIGILUX 1 exakt den gleichen Effekt. Ein Grund ist sicherlich die Erwärmung, aber einer sicherlich auch die Konfiguration der verschiedenen Parameter. Wer sich die Bedienungsanleitung durchliest findet auf Seite 56 diesen Abschnitt: "Einstellen der Bildeigenschaften (Kontrast, Schärfe, Farbsättigung): Einer der vielen Vorteile der elektronischen gegenüber der herkömmlichen Bildaufzeichnung liegt in der sehr einfachen Veränderung wesentlicher, d.h. den Charakter entscheidend bestimmender Bildeigenschaften." Das Display-Menü bietet in allen Betriebsarten außer "Auto" und "Video" den Eintrag "PICT.ADJ." ("picture adjustment", dt. "Bildeinstellung"), der sich in "CONTRAST" (dt. "Kontrast"), "SHARPNESS" (dt. "Schärfe") und "SATURATION" (dt. "Sättigung") aufteilt. Diese Eigenschaften können auf "LOW", "STD." und "HIGH" gestellt werden. Dies wird in der Anleitung zusammen mit der Bedeutung der Eigenschaften präzise erläutert. Bei 3 Eigenschaften mit jeweils 3 Einstellungen ergeben sich 27 Kombinationsmöglichkeiten. Da ich die Kamera letzte Woche bei herrlichem Wetter gekauft habe (2002-08) und ein Nachbar auf seinem Balkon im zweiten Stock zwei Sonnenschirme aufgestellt hat, bot sich mir folgende Testaufnahme (hier auf 20% Fläche verkleinert und mit JPEG 80% Komprimierung gespeichert):
Also habe ich meine Leica DIGILUX 1 auf ein Stativ geschraubt und 27 Aufnahmen geschossen. Dabei habe ich nach dem Scharfstellen auf MF (manueller Fokus) umgestellt und die Photos jeweils mit 2 Sekunden Selbstauslöser aufgenommen. Es war etwas mühevoll, 27 mal durch das Menü zu wandern und die Einstellungen vorzunehmen, aber es hat sich gelohnt. In folgender Tabelle finden Sie alle Aufnahmen, die Sie durch Klick auf den Link "Bild" als Originalbild betrachten können. Dazu wird ein eigenes Fenster geöffnet, dass Sie durch Klick auf das Kreuz rechts oben wieder schließen können. Sie können auch auf den Link mit der rechten Maustaste klicken, um das Bild auf Ihrer Festplatte zu speichern ("Ziel speichern unter ...") - dann können Sie vielleicht besser zwischen den Photos vergleichen. Falls Sie als Browser einen neueren Microsoft Internet Explorer nutzen (> 5.0) und die Option "Automatische Bildgrößenanpassung aktivieren" aktiv ist, wird das Bild auf die Größe Ihres Fensters angepasst und rechts unten erscheint diese Schaltfläche, wenn Sie die Maus über das Bild bewegen (ggf. erst einmal verlassen und dann wieder drüber):
Wenn Sie auf diese Schaltfläche klicken, können Sie das Bild wieder in Originalgröße sehen. Dann erscheint stattdessen diese Schaltfläche, mit der Sie das Bild wieder auf Fenstergröße anpassen können:
Da die Bilder recht groß sind (bis zu 1,9 MB), genügen Ihnen vielleicht die ersten drei, wenn Sie keine schnelle Internet-Standleitung haben. Interessant ist auch, dass die Größe der Datei in Abhängigkeit dieser Einstellungen von 1603 bis 1909 KB variiert.
Die sonstigen Einstellungen sind eigentlich klar:
Mein persönlicher Favorit ist übrigens Bild Nummer 19. Dieses Bild zeigt, dass auch die Leica DIGILUX 1 sehr gute Aufnahmen machen kann. Ich habe die Bilder 1, 2 und 3 auf meinem digitalen Drucker FUJIFILM FinePix NX-500 in verschiedenen Zoom-Ausschnitten gedruckt; dieser Drucker arbeitet mit einem Thermo-Autochrome-Verfahren, das dem chemischen Entwicklungsverfahren herkömmlicher Bilder ähnelt. Erstaunlich war dabei, dass die Punkte bis ca. dreifacher Vergrößerung nicht zu sehen waren und erst bei fünffacher Vergrößerung auffielen. Im Gegensatz zu vielen anderen Herstellern bietet Leica die Möglichkeit der Einstellung dieser Werte; je nach Motiv, Wetter und Verwendungszweck können Sie also die DIGILUX 1 an die Situation anpassen: bei technischen Details von Apparaturen gehen Sie vielleicht mit CONTRAST und SHARPNESS auf HIGH, bei Porträts vielleicht mit CONTRAST und SHARPNESS auf LOW, dafür aber mit der SATURATION auf HIGH. Diese Einstellmöglichkeiten unterstreichen den Einsatz als Reportagekamera. Die prinzipiell baugleiche Panasonic Lumix DMC LC5 ist übrigens angeblich ab Werk anders konfiguriert, weil Leica bei seiner Kundschaft eine Vorliebe zu satteren Farben sehen soll. Vielleicht erklärt dies, warum die Leica bei Werkseinstellung stärkeres Rauschen zeigt als die Panasonic. 2003-09: In den Foren im Internet wird auch viel die Auflösung der DIGILUX 1 diskutiert. Es gibt etliche Aussagen über eine phantastische Qualität ohne jedes Bildrauschen bei einer Auflösung von 1600 x 1200 Punkten, was sogar zu Behauptungen geführt hat, die DIGILUX 1 sei in Wirklichkeit eine 2-Megapixel-Kamera. Ich habe daraufhin einfach mal auf der Terasse die Kamera in den blauen Himmel gehalten und diese vier Photos gemacht:
2003-09: Tausendfach interessanter als diese Diskussion finde ich die Software Neat Image, auf die mich Thomas Böder hingewiesen hat. Dabei handelt es sich um einen Filter zur Reduzierung des Rauschens bei digitalen Photos - also genau das Richtige! Hier nochmal ein Photo von Gaudis Temple de la Sagrada Familia in Barcelona - im Original und nach der Bearbeitung mit Neat Image. Vergleichen Sie selbst und Sie werden auch feststellen, dass diese Software sich auf die Flächen konzentriert und dort die Cluster auflöst, ohne die Details des Photos wesentlich zu verändern. Ich meine, diese Software sollte Leica in die Kamera integrieren ;-) Wenn Sie die Software selbst ausprobieren möchten, klicken Sie einfach auf den Link oben; Sie können eine Demoversion als Freeware von dort laden, die für Privatzwecke sogar voll einsatzfähig ist. Es lohnt sich, ein wenig damit zu experimentieren, denn Sie können zahlreiche Analysen beliebiger Bildbereiche mit den unterschiedlichsten Einstellungen durchführen. Man muss sicherlich auch ein wenig Erfahrung damit sammeln, wenn man optimale Ergebnisse will, weil ansonsten auch schon mal Wiesen oder Trauerweiden als Bildrauschen betrachtet werden und wie mit einem Weichzeichner "optimiert" werden. Die Berechnung des endgültigen Outputs oder auch des Auto-fine-tunes auf dem ganzen Bild dauert allerdings recht lange (auch auf meinem Multiprozessorrechner, weil die Software nur eine CPU richtig nutzt).
Ein anderer Aspekt der Bildqualität sind sicherlich die Pixelfehler. Dabei handelt es sich um defekte Stellen auf dem Photo-Chip. Das führt dazu, dass diese Stellen kein Licht messen können und deshalb in aller Regel zu einem weißen Punkt auf dem Bild führen. Bei meiner Kamera gibt es einen Pixel-Fehler am oberen Rand im rechten Drittel. Wenn Sie die obigen Testbilder vergrößert betrachten, können Sie die Stelle in dem blauen Himmel leicht finden. Natürlich ist es schön, eine Kamera ganz ohne Pixelfehler zu erwischen (vielleicht mehrere beim Händler ausprobieren und die Bilder dort auf einem PC ganz genau betrachten?), aber für die meisten Aufnahmen und Situationen ist es unerheblich. Bei Freizeitaufnahmen und Hobbyphotographen wird es kaum eine Rolle spielen. In der Tat gibt es bei PC-Bildschirmen mit vergleichbarer Technologie Rechtssprechungen, dass die Kunden 6 bis 7 defekte Pixel akzeptieren müssen. In der Tat ist die Technologie aber heute so gut geworden, dass so viele Fehler nicht vorkommen sollten. Bei einer Auflösung von 2240 x 1680 Punkten beim Photochip der Leica DIGILUX 1 ergeben sich insgesamt 3.763.200 Punkte. 4 defekte Pixel wären dann also eine Fehlerrate von 1/1000 Promille, also bereits eine unglaubliche Präzision, die sonst nur in der Raumfahrt vorkommt; und die meisten Kameras haben höchstens zwei fehlerhafte Punkte! Bitte beachten Sie, dass ich hier von Pixelfehlern auf dem Photochip in der Kamera spreche, der durch das Objektiv mit Licht bestrahlt wird und auf diese Art das Bild aufnimmt. Die Speicherkarte mit bis zu 512 MB Speicherstellen (also ca. 512.000.000 "Punkten") besitzt Kennzeichnungsmechanismen, so dass defekte Stellen einfach nicht benutzt werden. Hier ist es aber auch egal, ob eine Speicherstelle einfach übersprungen wird oder nicht; bei der Belichtung des Photochips ist das nicht egal! Wenn das Display auf der Kamerarückseite defekte Punkte hat, ist das ebenfalls ziemlich wurscht. Entscheidend ist wirklich nur der Photo-Chip, weil ein Defekt sich dann auf jedem Bild an der gleichen Stelle bemerkbar macht und ggf. mit einem Bildbearbeitungsprogramm retuschiert werden muss (mit ein wenig Übung eine Sache von 30 Sekunden). Ganz wichtig für die Bildqualität ist natürlich auch das Objektiv, denn das ist - zumindest bei einer nichtdigitalen Kamera - das einzige, was zwischen der Realität und dessen Abbild steht! Das Objektiv der Leica DIGILUX 1 wird von einem renommierten Hersteller (sei es nun Canon, wie in vielen Internetforen behauptet wird oder Minolta, wie mir eine Canon-Photographin sagte) modular gebaut und von mehreren Herstellern eingesetzt. Es wackelt und es ist beim Zoomen nicht zu überhören, aber die Abbildungsqualität ist Klasse. Der 3-fach-Zoom vermeidet auch stürzende Linien. Bei der Canon Powershot G3 ist ein 4-fach-Zoom verwendet worden, während die G2 noch einen 3-fach-Zoom hatte. Leider sind jetzt alle Photos der G3 gnadenlos verzeichnet! Ich hoffe, Leica bleibt bei dem 3-fach-Zoom. Da ein Photo einer Digitalkamera zwangsläufig nach der Aufnahme auf dem PC verarbeitet wird (sei es zum Druck, zum Betrachten auf dem Bildschirm oder zur Projektion mit einem Beamer), ist natürlich darauf zu achten, dass die Photos bei der Handhabung am PC nicht verhunzt werden. Dieser Faktor wird oft sehr unterschätzt! Ich kenne eine Profiphotographin, die Auftragsarbeiten in Postergröße mit einer 4-Megapixel-Kamera und viel Erfahrung in Adobe Photoshop erledigt. |
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