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"Das Problem zu erkennen ist wichtiger als die Lösung zu finden,
denn die genaue Darstellung des Problems führt fast automatisch zur richtigen Lösung."

(Albert Einstein)

Interviews

Es ist äußerst wichtig, dass es bei jedem Projekt sowohl auf Anbieter- als auch auf Kundenseite genau einen verantwortlichen Ansprechpartner - also einen Vertreter - gibt, denn in der Regel wird nur bei der beidseitigen Bündelung der Verantwortung die Verbindlichkeit akzeptiert. Das heißt aber nicht, dass der Vertreter des Kunden auch die gesamte Fachlichkeit des Kunden beherrschen muss. Gerade bei größeren Projekten kann eine Person alleine unmöglich die gesamte Fachlichkeit des Kunden beherrschen. Daher sollte der Vertreter des Kunden für jeden Akteur stellvertretend einen Vertreter suchen, bei dem er sich erkundigen kann. Die Verantwortung für das Ergebnis liegt gegenüber dem Anbieter dann natürlich wieder bei dem einen einzigen Vertreter des Kunden, aber die Sicherheit und Qualität der Antworten steigt und es vergeht dennoch nicht viel Zeit bis zur Antwort.

Es macht durchaus sehr viel Sinn, dass der Vertreter des Anbieters an diesen fachlichen Interviews der Vertreter der Akteure teilnimmt, zum einen um den Stille-Post-Effekt zu vermeiden, zum anderen aber auch, um sich selbst einen Eindruck von der Sicherheit in der Fachlichkeit der Akteure zu verschaffen. Es kommt schließlich nicht selten vor, dass auch die Akteure selbst die Fachlichkeit nicht sauber formulieren können, weil sie nie systematisch darüber nachgedacht haben, warum sie was wie tun.

  Was die Anderen wollten.
Was die Anderen wollten.

Nicht selten kommt es vor, dass ein "Cheffe" meint, am besten zu wissen, was seine Leute wie tun, weil er es ihnen vorgibt. Meine Erfahrung hat aber gezeigt, dass dies noch lange nicht heißt, dass seine Mitarbeiter auch wirklich so arbeiten. Oft müssen die Mitarbeiter "Korrekturen" ansetzen, die sie auch nur zugeben können, wenn der Vorgesetzte bei den Interviews nicht teilnimmt. Wie bei allen anderen Menschen kann auch Chefs nur geholfen werden, wenn sie wirklich bereit sind, sich helfen zu lassen ;-)

Die Intensität (also Anzahl und Dauer) der Interviews hängt natürlich ganz stark von der Sicherheit der Fachlichkeit ab. Bei unklarer Fachlichkeit kann es vorkommen, dass in permanenten Interviews den Mitarbeitern die Informationen förmlich aus der Nase gezogen werden müssen, um daraus selbst eine Art Fachkonzept und Anforderungskatalog zu bauen. Dann ist es vorteilhaft, wenn Sie als Anbieter quasi in die Frauenrolle beim Tanzen schlüpfen: die Frau sollte beim Tanzen dem Mann immer das Gefühl geben, dass er führt! Dabei sollten Sie immer - egal, wie gut Sie sich kennen lernen - dennoch eine gewisse Distanz wahren, also immer beim "Siezen" bleiben und immer im gepflegten Anzug und mit geputzten Schuhen auflaufen. Bei umfangreichen und präzisen Prozessbeschreibungen, Verfahrensanweisungen und Dienstvorschriften kann der Analytiker oft auch im stillen Kämmerlein seine Analyse vollziehen und nur Fragenkataloge erstellen, die dann beispielsweise einmal wöchentlich in konzentrierten und kurzen Sitzungen abgearbeitet werden. Ich nenne diese zwei Formen gerne Online- und Offline-Analysen (bzw. Onsite- oder Offshore-Analysen).

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Ich denke, nach den vorhergehenden Erläuterungen ist es selbstverständlich, dass bei jedem Interview ein Protokoll erstellt wird, dass der Ansprechpartner des Kunden ebenfalls an dem Interview teilnimmt und dass beide "Parteien" das Protokoll dann unterschreiben.

Ich nehme grundsätzlich in die Projektmappe eine kleine Tabelle mit auf, wann mit wem ein Interview stattgefunden hat. Ich vermerke in dieser Tabelle auch, ob die Ergebnisse des Interviews bereits in die Analyse eingearbeitet sind.

Fachabteilung
Gruppe
Datum in Analyse
eingearbeitet
Buchhaltung 2002-07-18 ja
Lager 2002-07-19 nein
... ... ...

Ich nehme grundsätzlich alle gestellten Anforderungen der Interviews in die bereits begonnene Anforderungsliste mit auf. Ggf. kann ja mein Ansprechpartner die Priorität dann auf "keine" oder zumindest "gering" setzen, wenn er anderer Meinung ist und den Wunschzettel des Interviewpartners in Pflicht und Kür unterteilen will. Oft ist der Interviewpartner ja nur indirekt am System beteiligt, während der Ansprechpartner in der Regel der zukünftige Besitzer des Systems und damit auch der Kostenträger ist. Es ist aber wichtig, dass ausgeschiedenen Anforderungen dennoch in die Liste aufgenommen werden und dort auch verbleiben, denn irgendwann will der Interviewpartner sicherlich wissen, was aus seiner Anforderung geworden ist; spätestens, wenn das neue System installiert ist und die Akteure das System zum ersten Mal sichten, werden sie sich an ihre Anforderungen erinnern und deren Umsetzung suchen. Wenn man dann argumentieren kann, wann warum die Anforderung von wem rausgenommen wurde, ist dies sehr positiv. Dazu müssen natürlich in den Nachgesprächen der Interviews ebenfalls Protokolle geführt worden sein, auf die in der Anforderungsliste verwiesen werden kann.

 

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