| Ralf Bürger - schließen | Darstellung in angepasster Größe | ||
Das Internet bekam 1990 von Tim Berners-Lee das www inkl. HTML und http zu den anderen Services und Protokollen hinzu. Im Gegensatz zu den vorherigen Diensten war nun das einfache Erzeugen, Abrufen und Verknüpfen von Seiten möglich, die sogar Graphiken enthalten konnten. Damit wurde das www zu einem großen Buch, das bereits wenige Jahren später ein unglaubliches Wissen enthielt und deshalb die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit weckte. Das www war aber in keinster Weise als Plattform für kommerzielle Software gedacht. Mit der Entwicklung zu Intra- und Extranets ist es aber durch die einfache Verwendung des Browsers auf dem Client und der zentralen Verwaltung der Seiten auf den Servern zunehmend dafür "missbraucht" worden.
Heute genießen es die Administratoren von größeren Unternehmensnetzwerken, wenn ein großes Software-Paket für alle Anwender installiert und konfiguriert werden kann, ohne dass der Serverraum verlassen werden muss. Der PC verkommt damit allerdings zum dummen Terminal, das nur noch für die "nackte" I/O im Browserfenster zuständig ist. Nach der vollständigen Verarbeitung von Software auf dem PC verfällt die Branche damit auf das Gegenteil: auf die vollständige Verarbeitung auf dem Server. Dies ist weder sinnvoll noch technisch empfehlenswert - erst recht nicht auf der Basis des www!
Die Integration von Script-Sprachen und Controls in HTML sowie die Parameterübergabe zwischen Seiten per http und die Entwicklung von "dynamischen" serverseitigen Seiten waren Erweiterungen, um größere programmierte Unternehmensprozesse mit dem Browser und dem www realisieren zu können.
Diese Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen: bei der Betrachtung von CORBA und den bisherigen Entwicklungsplattformen wird schnell klar, welche enormen Änderungen uns im www in den nächsten Jahren erwarten werden. Dazu gehört eine objektorientierte Seitenstruktur genauso wie eine Objektkommunikation zwischen Client- und Server.
Für klassische Softwareentwickler verlangt das www eine Änderung der Sicht, denn statt Fenster zu öffnen und zu schließen, die im Aufbau starr sind, wird nun zwischen Seiten gewechselt, die serverseitig dynamisch passend erstellt werden. Es gibt auch in aller Regel keinen Weg zurück, weil per Link und Submit immer eine nächste Seite aufgerufen wird (und sei es die, die der Anwender eigentlich vorher schon mal gesehen hatte). Mit dem Öffnen weiterer Browser muss man äußerst sparsam umgehen, weil es keine Modalität zwischen den Fenstern gibt.
Die serverseitige dynamische Erstellung von Webseiten war in der ursprünglichen Planung des www nicht enthalten und beispielsweise von Microsoft mit ASP, von Sun mit JSP und von anderen mit PHP nachgerüstet. Hier will ich mit JSP die Java-Variante betrachten, weil Java sehr modern, sehr offen und sehr leistungsfähig ist. Nach seiner Veröffentlichung 1995 hat Java einen enormen Zulauf gefunden und hat sich mit seiner gesamten Umgebung mittlerweile so weit entwickelt, dass es äußerst professionell aufgestellt ist.
Die JSP (Java Server Page), die heutzutage (06/2002) in der Entwicklungsumgebung (IDE) erstellt wird, gelangt als Servlet auf einen http-Server (Web-Server, z.B. Apache oder Microsoft IIS) und wird dort von einer Servlet-Engine ausgeführt. Von dem Code des Servlets aus (also eigentlich von der Seite aus) kann echter Java-Code in Form von lokalen (also auf dem http-Server befindlichen) Komponenten aufgerufen werden; dies sind die sogenannten "beans". Diese stellen die Verbindung zu zentralen beans (Enterprise Java Beans = EJB) auf anderen Servern (Applikationsservern) her, die wiederum eine Verbindung zu den Datenbankservern aufbauen können. Damit ist auch bei der Internet-Technologie die Anwendung des n-tier-Models möglich geworden.
Gewöhnungsbedürftig ist die Tatsache, dass der Klick auf einen Link im Browser zur Aktivierung (request) eines Servlets führt, welches die Paramter des Links vom http-Paket an die beans übergibt und als response (Antwort) ein neues http-Paket mit der HTML-Seite als Inhalt aufbaut, das dann als "angeklickte" Seite zurück an den Browser des Clients geschickt wird.