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"Nichts auf der Welt ist so gerecht verteilt wie der Verstand: Jeder glaubt, er hätte genug davon."
(Rene Descartes, frz. Mathematiker u. Philosoph, 1596-1650)

Verantwortung

Die Pre-Analyse-Phase des Projekts ergibt im Sinne einer Geschäftsprozessanalyse ein grobes Bild über den zu betreibenden Aufwand bei der Erstellung des geplanten softwareintensiven Systems, liefert einen ersten Einblick in das Unternehmen des Kunden und führt zu einer ersten Entscheidung über die Machbarkeit des Projekts. Außerdem lernen Kunde und Anbieter sich persönlich kennen, was der erste Schritt zum Aufbauen von Vertrauen ist. Man merkt in diesen ersten Gesprächen sehr schnell, wer sich nur profilieren will und wer wirklich wichtig ist, und zwar sowohl auf Kunden- als auch auf Lieferantenseite!

Der Kunde hat in allen Analysephasen als Auftraggeber die Verantwortung für die Korrektheit und Vollständigkeit der Fachlichkeit, der Auftragnehmer hat als systematisch arbeitender Software-Experte hingegen die Verantwortung für die Widerspruchsfreiheit, Konsistenz und Implementierbarkeit. Ferner muss der Auftragnehmer den Kunden darüber aufklären, was überhaupt softwaretechnisch möglich und sinnvoll ist. Manchmal denkt der Kunde, dass die eine oder andere Implementierung doch sehr einfach sein müsste, und ist überrascht, wenn nachher ein immenser Aufwand angeboten wird. Andererseits wagt der Kunde oft gar nicht, nach Funktionen zu fragen, deren Implementierung wirklich sehr einfach wäre.

Was der Kunde wollte.
Was der Kunde wollte.

Die eigentliche spätere Analysephase des Projekts behandelt die Untersuchung der Anforderungen, die an die Software gestellt werden. Diese Anforderungen müssen also vor der Analyse erstmal vorhanden sein, d.h. gesucht, erfragt und gesammelt werden. Dazu müssen die Geschäftsprozesse betrachtet werden, die durch die neue Software unterstützt werden sollen. Es muss also quasi der Teil des Geschäftsmodells abgegrenzt werden, dessen Probleme eine Lösungsunterstützung durch Software erfahren sollen. Dieser Geschäftsmodellausschnitt enthält Geschäftsprozesse, die bei deren genauerer Betrachtung ihrer Ziele einen Bedarf an Softwareunterstützung erkennen lassen. Genau dieser Bedarf führt zu den eigentlichen Anforderungen an die Software. Weil die Geschäftsprozessanalyse vor der umfangreichen und detaillierten eigentlichen Analyse der Anforderungen abläuft, bezeichne ich diese Phase auch gerne als Pre-Analyse-Phase.

Bei der Geschäftsprozessanalyse wird also der Grundstein für die Anforderungsanalyse und damit auch für das gesamte Projekt gelegt. Ganz wichtig ist es daher, von vornherein die Verbindlichkeit, d.h. Schriftlichkeit, zu pflegen. Alle Informationen sollten dabei kurz, klar und konkret formuliert werden. Wenn Sie es hier nicht schaffen, die nötigen Handhabungen und Instrumente des Projekts zu plazieren, wird es später umso schwieriger. Daher behaupte ich immer, dass in dieser ersten Phase beide Parteien die Verantwortung haben, eine vernünftige Kommunikation aufzubauen, die möglichst alle Schwierigkeiten eines Projekts wegsteckt.

Dies ist ein weiterer Vorteil in der Abspaltung der Pre-Analyse von dem eigentlichen Analyseprozess: Wenn einer der Partner merkt, dass er sich den falschen Partner ausgesucht hat, oder der zu erwartende Aufwand bei weitem das Limit übersteigt, kann das Ende der überschaubaren Pre-Analyse als frühestmöglicher Exit-Punkt des Projekts genutzt werden. Damit ist das Risiko für beide Seiten recht gering und die Bereitwilligkeit für den ersten Schritt sehr groß. Oft kommen sonst nämlich Projekte gar nicht erst zustande, weil bereits schon vor dem eigentlichen Anfang große Entscheidungen getroffen werden müssen.

 

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